Projekte „Belebung der Hamelner Innenstadt durch die Neuaufteilung des öffentlichen Raums“ und „Raum für Stadtleben: Öffentliche Räume neu attraktiv denken“
Wird dieser Abend die Stadt und besonders die Innenstadt voranbringen? Wird die Vorstellung der Ergebnisse des Projekts der Hochschule Hannover zu neuen Weichenstellungen führen?

Schon in seiner Begrüßung dämpfte Oberbürgermeister Griese zu hohe Erwartungen – was gleich vorgestellt würde, sei „nicht sofort umzusetzen“. Und damit sollte er Recht behalten – die Präsentation der städtischen Ideen für die Innenstadt im zweiten Teil der Veranstaltung hatte mit den Ergebnissen des studentischen Projekts der Hochschule Hannover aus dem ersten Teil nur partiell etwas zu tun – obgleich die Stadt mehr als ein Jahr Zeit hatte, daraus Schlussfolgerungen zu ziehen und diese in die eigenen Planungen einzubeziehen.
Aber der Reihe nach – zur Bewertung des Infoabends gehört schließlich mehr als dessen Ablauf – zum Beispiel gehört dazu, dass er überhaupt stattfand und dass unsere Initiative und die Stadt gemeinsam für den Abend verantwortlich zeichneten. Dazu gehört ferner, wer der Einladung dazu gefolgt ist und daher aus den vorgestellten Projekten und Ergebnissen nun auch eigene Schlüsse ziehen kann.
Und das war sehr zufriedenstellend: ca. 50 Besucherinnen und Besucher waren gekommen; darunter „einfache Bürger“, aber auch die Spitzen der Verwaltung. Alle Ratsfraktionen waren mit je mehreren ihrer bekannten Protagonisten vertreten; aus der heimischen Wirtschaft waren Top-Repräsentanten der IHK, der Dehoga und der HMT gekommen.

Radio aktiv stellte nicht nur die Räumlichkeiten, sondern führte auch Interviews für dessen Nachberichterstattung, das lokale Digital-Medium Hamelner Bote war da, nur einmal mehr nicht die Dewezet – obgleich deren Redakteur Marc Fisser am selben Tage den fast schon als Vorbericht zu verstehenden Artikel „Weniger Autos – mehr saubere Energien“ veröffentlicht hatte.
Und der damit unser Motiv traf, unsere Initiative vor drei Jahren zu starten und letztlich auch das Projekt an der Hochschule Hannover zu initiieren. Denn neben notwendigen ökologischen Entwicklungen wollten wir herausfinden und zeigen, welche ökonomischen Chancen eine Neuaufteilung des öffentlichen Raums – und damit eine Reduzierung des Autoverkehrs – in der Innenstadt bringen kann.

Andreas Hausotter erläuterte den Besuchern der Veranstaltung insofern die Genese des Projekts – dessen Vorstellung selbst überließ er den Fachleuten der Hochschule, Prof. Andreas Daum als Betreuer und Dustin Herrmann als studentischer Projektleiter. Quintessenz: die Gewerbetreibenden wünschen sich Parkplätze; die Kunden ein besseres Einkaufserlebnis.
Auf die Forschungsergebnisse im einzelnen soll hier nicht nochmals eingegangen werden; sie sind von uns mehrfach dokumentiert worden: Projekt „Belebung der Hamelner Innenstadt“ bringt eindeutiges Ergebnis – Rad-Verkehrswende Hameln.
Einige Besucher zeigten sich dennoch überrascht, einige hinterfragten die Rahmenbedingungen und Empfehlungen des Projekts. Dennoch, so hatte man den Eindruck: die Botschaft war bei vielen angekommen.
Nach einer Pause, in der angeregt diskutiert wurde, folgte die Präsentation der von der Stadverwaltung geplanten Projekte in der Innenstadt. Maßnahmen zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs in den Innenstadtstraßen – wie durch das Hochschul-Projekt empfohlen – wurden hier zwar nicht vorgestellt, aber es ging durchaus um das Thema „Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Verweildauer“, besonders im Bereich Weserufer / Langer Wall.

Der Vorschlag der Sperrung der Papenstraße für den MiV war zwischenzeitlich allerdings als „nicht zielführend“ wieder vom Tisch genommen worden, was zwar mit dem Verkehr der Öffis begründet wurde, aber nicht mit den übergeordneten Klimazielen der Stadt konform geht.
Andere Innenstadtstraßen wurden kaum angesprochen; für den Kopmanshof wurden lediglich Fahrradabstellanlagen thematisiert, der Fahrradverkehr selbst war kein Thema. Auch zur Baustraße blieb man letztlich unverbindlich. Insgesamt wurde kein Plan für die Innenstadt vorgestellt, Verkehr oder Parkplätze einzuschränken, auch nicht nach mehreren kritischen Rückfragen von den Besuchern.

Daher lag der Hauptnutzen der Veranstaltung darin, dass die Studienergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zumindest vorgestellt wurden und dass unsere Initiative als Gesprächspartner wahrgenommen, akzeptiert und anerkannt wird – dennoch würde man den Verwaltungsvertretern einfach mehr Mut wünschen, das richtige zu tun; auch wenn die Widerstände – besonders natürlich in unserer lokalen Presse – groß sind.
Aber wie sagte es Marco de Brömmelstroet, Verkehrsplaner in Amsterdam, auf die Frage des deutschen Radaktivisten Ingwar Perowanowitsch in dessen aktuellen Film „Cycling Cities“: „Wenn Du als Politiker […] Widerstand fürchtest, hast Du den falschen Beruf gewählt.“
