Deutschland „kein sicheres Fahrradland“ (ADFC)

Mehr Radfahrerinnen und Radfahrer sterben auf Deutschlands Straßen
Auch in Hameln-Pyrmont nehmen Verkehrsunfälle zu, an denen Radfahrer beteiligt sind.

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes (StBA), des Europäischen Verkehrssicherheitsrats (ETSC), aber auch der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont alarmieren und frustrieren: hierzulande nehmen Verkehrsunfälle zu, an denen Radfahrende beteiligt sind; auch die Zahl der Todesfälle steigt – während sie in den meisten EU-Ländern zurückgeht.

462 im deutschen Straßenverkehr getötete Radfahrerinnen und Radfahrer im Jahr 2025 bedeuten einen Anstieg von fast 4% gegenüber 2024, und insgesamt einen Anstieg von 20% in 10 Jahren. Jeder sechste (16,4 Prozent) im Straßenverkehr getötete Mensch war mit dem Fahrrad unterwegs.

Jeder zweite von ihnen fuhr dabei ein umgangssprachlich als „E-Bike“ bezeichnetes Pedelec – überdurchschnittlich repräsentiert (2/3) waren dabei Seniorinnen und Senioren.

In den meisten Fällen (ebenfalls 2/3) gab es aber weitere unfallbeteiligte Verkehrsteilnehmer, die in aller Regel (70%) in Autos saßen.

Im europaweiten Vergleich ist die Entwicklung besonders beunruhigend: EU-weit sinkt die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer nämlich, in Deutschland allerdings nicht. Die Bundesrepublik gehört zu den wenigen Ländern, in denen die Zahlen nach oben gehen.

Auch in Hameln-Pyrmont gab es 2025 mehr Verkehrsunfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren; neben der Zunahme von über 65-Jährigen Beteiligten sticht lokal noch besonders die Verdoppelung von Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Kindern ins Auge.

Warum?

Die Gründe liegen allerdings auf der Hand: immer mehr immer größere Autos konkurrieren auf begrenztem Raum mit immer mehr Fahrrädern, auf denen immer ältere Menschen sitzen, die trotzdem immer schneller fahren.

Städte und Kommunen tun sich schwer damit, diese schwächeren Verkehrsteilnehmer – die ökologisch, ökonomisch und sogar gesundheits-präventiv eigentlich Vorbildfunktion haben – wirkungsvoller zu schützen. Sogenannte Dooring-Unfälle, bei denen Radfahrer in plötzlich geöffnete Autotüren fahren, oder auch die fatalen Unfälle von rechtsabbiegenden Lkw, die dabei Radfahrende übersehen, kommen viel zu häufig vor.

Was tun?

Viel hängt an der Infrastruktur. Durch entsprechende bauliche Maßnahmen, die oft gar nicht so teuer sein müssen, können z.B. viele Dooring-Unfälle vermieden werden.

Der Bericht der ETSC nennt Litauen als Positivbeispiel: es ist eines der Länder mit stark sinkenden Verunglücktenzahlen, da die Regierung mehr Mittel für Radinfrastruktur zur Verfügung gestellt und im Straßenverkehrsrecht z.B. Fahrradstraßen eingeführt hat.

In Deutschland fordert der ADFC baulich getrennte, sichere Routen für Radfahrende.

Und: flächendeckend Tempo 30 in Städten: die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) gibt an, dass bei einer Kollision mit einem 30 km/h fahrenden Fahrzeug neun von zehn Fußgängern oder Radfahrern überleben, bei Tempo 50 aber – in Deutschland innerorts seit 1957 die Regelgeschwindigkeit – werden neun von zehn getötet. Seit Juli 2024 ist z.B. auf den Straßen Helsinkis, wo fast überall Tempo 30 gilt, kein Mensch mehr durch einen Unfall gestorben.

Wie viele Unfälle und Todesfälle braucht es bei uns noch, um bei Verkehrs- und Kommunalpolitikern ein Umdenken herbeizuführen?


Quellen:
Warum in Deutschland mehr Radfahrer sterben – und in anderen Staaten weniger – DER SPIEGEL
30 km/h innerorts als Regelgeschwindigkeit – Sicherheitsaspekte einer Debatte — DGUV forum

Verkehrsunfälle in Deutschland – Statistisches Bundesamt
Hameln-Pyrmont/Holzminden: Verkehrsunfallstatistik für 2025 vorgestellt – radio aktiv

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