Von der autogerechten zur menschengerechten Stadt – das Beispiel Nordhorn

„Wege zur fahrradfreundlichen Stadt – das Beispiel Nordhorn“ lautete das Vortragsthema von Thimo Weitemeier, Stadtbaurat von Osnabrück und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen (AGFK).

Wir hatten ihn aus Anlass unseres dreijährigen Bestehens und der anstehenden Kommunalwahlen eingeladen. Kennengelernt hatten wir ihn und sein Konzept 2023 in der Stadt Nordhorn, wo er 10 Jahre lang Stadtbaurat war und uns aus erster Hand die Gründe für die jahrelange Spitzenstellung dieser Stadt im ADFC-Klimatest für Gemeinden bis 100.000 Einwohner erläuterte.

Uwe Wilhelms-Feuerhake, der designierte neue ehrenamtliche Fahrradbeauftragte der Stadt Hameln, stellte den Gast vor, der dann im gut gefüllten Zedita die ca. 60 Zuhörerinnen und Zuhörer mit der inspirierenden Geschichte der Stadt Nordhorn beeindruckte.

Zu ihnen gehörte auch OB Griese, der in seinem kurzen Grußwort betonte, dass sowohl Hameln als auch Nordhorn AGFK-Gründungsmitglieder seien, dass Hameln aber mit dichter Bebauung und durchgehenden Bundesstraßen schwierige Rahmenbedingungen habe. (Der Vortrag Thimo Weitemeiers zeigte später, dass sich Nordhorn in dieser Hinsicht nicht wesentlich von Hameln unterscheidet.)

Von der Verwaltung waren die Radverkehrsplaner Herr Müller und Frau Schrupp anwesend, wie auch einige Kreis- und Stadtratsmitglieder von SPD, Grünen und Frischer Wind. Die anderen Fraktionen und die lokalen Medien, obgleich eingeladen, waren leider nicht vertreten; sie verpassten einen lebendigen Vortrag eines engagierten und nahbaren Stadtplaners, sein Credo „Miteinander, nicht gegeneinander“ und seinen Mut, das Richtige zu tun und Widerstände und Verzögerungen auszuhalten.

Ein Beispiel für diesen Ansatz der Kooperation statt Konfrontation war z.B. die Idee, dass sich Gewerbetreibende in Nordhorn bewerben können, um Kfz-Parkplätze in Radfahrstell-plätze vor ihrem Geschäft zu verwandeln. Mut und Kreativität brauchte es sicher, für Rad- und Kfz-Verkehr getrennte Netze zu planen und umzusetzen und dabei den Radverkehr bei Kreuzungen zu bevorzugen. Interessant die Anmerkungen des Referenten zur größeren Zufriedenheit in verkehrsberuhigten Quartieren und zu Umsatzsteigerungen in der Innenstadt, wenn mehr Kundinnen und Kunden mit dem Fahrrad kommen – dies korreliert ja mit den Ergebnissen der Befragung der Hochschule Hannover zu Hameln vor einem Jahr: eine klare und gezielte Förderung des Fuß- und Radverkehrs begünstigt die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und damit das Kaufverhalten der Besuchenden.

Thimo Weitemeier konnte sich bei all dem offenbar auf ein zugewandtes Umfeld stützen, mit einem Bürgermeister, der nicht nur den Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur befürwortet, sondern in der Zeit des „Stadtradelns“ sein Auto aufgibt und das Event mit einer „Bürgermeister-Radtour“ beginnt! (Zufälligerweise hat ja gestern auch in Hameln das Stadtradeln begonnen – aber eine solche Idee hat es hier wohl noch nicht gegeben!)

Nach dem Vortrag gab es noch einige Zuhörer-Fragen; eine hat der OB aufgegriffen und an den Radverkehrsplaner Stephan Müller weitergeleitet. Bei den abschließenden lockeren Ausklang-Gesprächen beim Buffet wurde deutlich, dass der Osnabrücker Stadtbaurat dort wohl deutlich dickere Bretter zu bohren hat, um auch diese Großstadt fahrradfreundlich(er) zu machen. Dennoch zeigte er sich zuversichtlich, „in zehn Jahren eine solchen Vortrag auch über Osnabrück halten“ zu können.

Ach wie schön wäre es, wenn man dann einen solchen Vortrag auch über Hameln halten könnte! Einige unserer Politiker waren ja anwesend und haben gesehen, wie viel es zu gewinnen gibt, allein durch die Verbesserung der Fahrrad-Infrastruktur: Mehr Lebensqualität, Wirtschaftsförderung und Klimaschutz für alle! Daher hoffen wir mal, dass Nordhorn uns dabei als Beispiel dienen kann.

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